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Blind Golem's «Wunderkammer» ist ein äusserst aufregender Tauchgang in die Klangwelten der 1970er Jahre, besonders in jene, die von der kraftvollen Mischung aus Prog und Hardrock geprägt wurden, wie sie von Uriah Heep, Deep Purple und Magnum verkörpert wird. Die Band, die aus der Uriah Heep-Tribute-Band "Forever Heep" hervorgegangen ist, hat ihre Wurzeln tief im musikalischen Universum der legendären Gruppe verankert, was «Wunderkammer» zu einem wahren Liebesbrief an die Ära grossartiger Orgeln, knackiger Gitarren und eingängiger Melodien macht.
Das Album eröffnet mit «Gorgon», einem harten Riff, das sofort an die energiegeladenen Stücke von Uriah Heep erinnert. Im folgenden Song «Some Kind of Poet» werden die Einflüsse von Uriah Heep noch deutlicher. Die wirbelnde Hammondorgel, die Soli zwischen Gitarre und Keyboards sowie die Gesangsharmonien erinnern an die goldene Ära der Band um Ken Hensley. Dieser Song zeigt, dass Blind Golem es meisterhaft verstehen, klassische Elemente mit frischer Energie zu verbinden.
Blind Golem imitieren ihre Einflüsse jedoch nicht einfach. In «How Tomorrow Feels», bei dem Francesco Dalla Riva die Lead-Vocals übernimmt, lässt sich ein Hauch von Modernität vernehmen, während die Band ihren Wurzeln treu bleibt. Spannend ist auch der Track «Green Eye», ein seltener Demo-Track aus den «Demons and Wizards»-Sessions von Uriah Heep, der der Hommage an die Band zusätzliche Tiefe verleiht. Hier vollendet Blind Golem, was Heep 1972 begonnen haben, und haucht einem verborgenen Juwel neues Leben ein.
Auch der Einfluss anderer klassischer Bands ist auf «Wunderkammer» deutlich hörbar. Die Prog-Atmosphäre von «Endless Run» erinnert an die progressiveren Heep Stücke wie «Return to Fantasy», während aber die treibenden Rhythmen von «Born Liars» auch an den eingängigen Hardrock von Magnum in ihrer Blütezeit erinnern. Blind Golem bekennen sich zu ihren Einflüssen, gehen aber ihren eigenen Weg mit fliessendem Songwriting und packenden Auftritten.
Trotz der Hommage an die Vergangenheit vermeiden sie es, wie ein blosser Aufguss zu wirken. Der Stilmix des Albums – von Hard Rock bis zu progressiven Klängen – bleibt lebendig und aktuell, eine perfekte Mischung aus Nostalgie und Innovation. Die Produktion ist erstklassig, der Sound satt und unterstreicht den beeindruckenden musikalischen Stammbaum der Band. Wie bereits erwähnt, sind Blind Golem keine Neulinge in der Szene, was garantiert, dass sie ihr Handwerk bis zur Perfektion beherrschen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass «Wunderkammer» eine lebendige Feier des Rock der 70er Jahre darstellt, besonders von Uriah Heep, aber mit genug kreativer Eigenständigkeit von Blind Golem, um es aufregend und frisch zu machen. Das Album ist sowohl eine Hommage als auch eine Weiterentwicklung des klassischen Sounds und ist ein Muss für Fans des klassischen Hard Rock und Progressive Rock gleichermassen. Es ist eine lohnende Erfahrung, die zeigt, dass es möglich ist, die Vergangenheit zu ehren und gleichzeitig etwas Neues zu schaffen. Und wenn man bedenkt dass Heep dieses Jahr auf ihrer Farewell Tour spielt (auch zwei Gigs in der Schweiz) bringt diese Band Hoffnung, dass man diese Art von coolem Rock noch weiter entdecken kann.
Das Cover muss da auch noch erwähnt werden, unmisdeutbar vom Grandmaster Rodney Matthews, schon allein darum wäre es so toll, wenn es diese Musik auch als Vinyl gäbe.
Lukas R.